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Grunaubaby II Werk Nr. 90 Imm. Nr. HB 87 Erbauer
E. Schneider + W. Hirt.
Das Grunaubaby HB 87 in seiner neuen Pracht, so, glaube
ich, muss es schon 1934 auf dem Gempenplateau ausgesehen haben
anlässlich des Gempener Fluglagers, damals noch Eigentum
der Segelfluggruppe Sissach, die noch in Wittinsburg ihr Zuhause
hatte. Auch am 24.November 1935 am Flugtag in Oberwil, Birsigtal,
war das Grunaubaby HB-87 wieder dabei.
Natürlich wurde das Aussehen nicht nur durch Bruchschäden
sondern auch für Reklame - z.B. Pektin, damals ein Geliermittel,-
verändert. Ja, 1936 noch kunstflugtauglich, machte es im
neuen Kleid Reklame für " WOHLFAHRT PIANOS" am
Flugtag in Basel, wo Willi Baur, Hauptfluglehrer der SG Basel,
sein Akroprogramm zum Besten gab. Am 19. Juni 1939 beim Zusammenschluss
der Segelfluggruppe Basel mit der Gruppe Sissach und der Gruppe
Möve gehörte auch das Baby zum Flugzeugpark der Segelfluggruppe
Basel auf dem Flugplatz Sternenfeld Birsfelden.
Leider schon am 1. September 1939 wurde die Kriegsfackel entzündet
und so begannen die Wanderjahre der Segelflieger und mit ihnen
die Segelflugzeuge. Bald wurde der Flugplatz Sternenfeld gesperrt
und man zog um nach Birrfeld. Leider wurde 1941 auch dieser Platz
für die Fliegerei geschlossen und so zog man wieder um nach
Olten, wo auch unser Baby etliche unsanfte Landungen hinnehmen
musste, dafür aber 1942 in etlichen Baustunden vollständig
überholt wurde.
1945 nach Kriegsende ging es wieder zurück ins Sternenfeld,
wo es auch seine Highlights hatte, so zum Beispiel einen 130
km Streckenflug Basel St.Gallen. Am 27. August erfolgte
ein erneuter Umzug nach Witterswil und 1952 wieder nach Sisselen,
wo auch die Segelfluggruppe Fricktal ihr Zuhause hatte. Leider
mussten die Segelflieger 1965 das Sisselerfeld wieder räumen
und so zog man um nach Zwingen und Birrfeld.
Doch 1967 gab ihm die Segelfluggruppe beider Basel einen neuen
Standplatz, auf dem schönen Flugplatz Schupfart, zusammen
mit der Segelfluggruppe Fricktal, wo es sich heute noch wohl
fühlt.
All diese schweren Jahre zerrten an seinem Elan und Aussehen.
So entschlossen wir uns 1996 unsern Oldi total zu revidieren.
B. Meier, der langjährige Götti vom Baby, und ich begannen
mit dem Rumpf ablaugen, ablaugen, ablaugen.... Durch etliche
Schäden und verschiedene Reparaturen wurde es immer wieder
gestrichen, so war es nicht verwunderlich, dass wir pro m2 mehr
als 4 kg in sechs verschiedenen Farben abzuspachteln hatten.
Also war der Rumpf im Frühjahr zur Flugsaison nicht bereit,
denn alle Steuerseile mussten, gemäss Luftamt durch neue,
dickere ersetzt werden.
Noch viel mehr Arbeit sollte nun auf uns warten, denn die Flügel
mussten ausgetucht und durch einen Spezialisten kontrolliert
werden. Ein guter langjähriger Freund und Erstklasse-Fachmann
für Holz und Kunststoffreparaturen, Peter Wehrli, war bereit,
für uns die schwierigen und heiklen Arbeiten an Flügel,
Stabilo und Höhenruder auszuführen. Ja wir wurden recht
überrascht als das Tuch von den Flügeln weg war, was
da alles zum Vorschein kam. Beim linken Flügelende konnte
man die Rippen einfach lose herausnehmen und Peter musste auf
einer Länge von 90 cm die Flügelnase neu aufbauen.
Wie oft ist wohl unser Baby in diesen langen Jahren in nassen,
feuchten und kalten Hangars mit dem linken Flügel am Boden
gestanden? Auch ich hätte sicher einen grösseren Schaden
abbekommen.
Die ganzen Reparaturen spielten sich von Herbst 1997 bis April
1998 bei Peter in seiner Garage in Möhlin ab. Ich muss schon
sagen, ohne seine familiäre Mithilfe und die Mithilfe meiner
Flugkameradinnen und -kameraden wäre es nicht möglich
gewesen diese grosse Arbeit durchzubringen.
An dieser Stelle herzlichen Dank an Peter, aber auch vielen Dank
an Christine Wehrli, hat Sie uns doch immer nach der Arbeit,
und war es schon bald Mitternacht, zum Kaffe und zu was Süssem
eingeladen. Manch schöne Geschichte wurde erzählt,
natürlich war die Katze auch dabei und so entfloh unsere
Müdigkeit. Auch ein Dankeschön an den Vorstand und
die Segelfluggruppe beider Basel, dass sie bereit waren so viel
Zeit und Geld für diesen Oldtimer namens Baby aufzuwenden.
Es ist nicht selbstverständlich, dass die Gruppe über
500 Arbeitsstunden aufbringt und erst noch in toller Kameradschaft.
Natürlich wurden alle Beschläge, jede Rolle, jeder
Anschluss ausgebaut, gereinigt und lackiert. Auch alle Steuerseile
wurden nach neuer Luftfahrtnorm aus- und neue eingezogen. Alle
Spannten wurden gereinigt, teilweise neue gebaut, man kann sagen
auf Null revidiert. Die Flügelnase wurde mit einem feinen
Baumwollstoff eingetucht, von Peter in Hongkong eingekauft, und
der andere Teil wurde mit dem stärkeren Baumwollstoff eingetucht.
Auch gute Näharbeit war angesagt und Christine ist ein echter
Spezialist im Knoten machen; so konnten wir laufend, vergessenes
auffrischen und neues, ja vieles, dazu lernen.
Beide Flügel wurden 9 X mit Spannlack eingepinselt um die
gestellten Anforderungen zu bestehen. Es wundert mich nicht,
wenn Peter so nach 2 Stunden Spannlakken in der Garage für
sich gelacht oder gesungen hat. Ich weiss, auch in einer Garage
kann es sehr gemütlich sein, gar wenn es nach Holz, Leim,
Spannlack und Verdünner riecht.
Im April 1998 konnten wir unser gelungenes Werk in die Garage
+ Spritzwerk R. Müller-Widmer, Leuern, 16 Obermumpf bringen.
Die Flügelnase, das Stabilo und der Rumpf wurden mit gelber
Permahydfarbe gespritzt, der Rest der Flügel und Höhenruder
mit einem klaren Acryl- Lack.
Am 4. Juli war der erste Wieder-Zusammenbau, es wurde als Ganzes
gewogen und in Einzelteilen, nicht etwa im Freien, nein in der
schönen Werkhalle von der Crossair Flughafen Basel - Mulhouse,
wo unser E.Metzger als Luftamt Experte waltete. Vielleicht hatte
unser Baby ein wenig Hemmungen neben den grossen Saab 2000 gehabt,
wäre es nicht in seinem neuen glänzenden Kleid dagestanden.
Am 21.Juli 1998 kam der grosse Tag von Bruno und mir. Mit grosser
Sorgfalt wurde das Baby zusammengebaut und Hr. Dario Sonder,
BaZ-Reporter, begleitete unsere Arbeiten mit Fragen, die er in
einem schönen Bericht in der Baslerzeitung widergab. Genussvoll
brachten wir das Baby an den Startplatz und Bruno strahlte wie
ein kleiner Junge als unser Schlepper "Christen Husky"
das Schleppseil spannte. Schon nach ein paar Metern hob unser
Baby vom Boden ab und im Stillen war ich froh, so viele Stunden
für diesen schönen Oldi aufgewendet zu haben. Am 29./30.
August 1998 wurde unser Baby mit 2 schönen Überflügen
am Tag der offenen Tür in Schupfart dem Publikum vorgeführt.
Ich wünsche unserem Oldi noch viele schöne Jahre und
erlebnisreiche lange Flüge bei der Segelfluggruppe beider
Basel.
Ich glaube es ist das älteste Segelfugzeug in der Schweiz,
das noch fliegt. Doch noch eines haben das Grunau Baby und ich
gemeinsam, wir haben den guten Jahrgang 1933.
Oski Schumacher
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