Grunau Baby
 

An den Hochlöblichen Vorstand der SGB beider Basel

Hochverehrter Präsident. ( Ehemals Obmann )

Ein Flugzeug namens Baby ist auch die Geschichte in den Anfängen der Segelfliegerei. War es doch der erste brauchbare Übungssegler überhaupt. Das erste Grunaubaby kam im Winter 1931/32 heraus. Gebaut von Schneider unter Mitwirkung von Wolf Hirt. Unser Grunaubaby II war eine Verbesserung der ersten Version, aber auch gebaut von Schneider, Jahrgang 1933, Werk Nr. 89, ausgeliefert an die Segelfluggruppe Sissach. 1939 Zusammenschluss mit unserer Gruppe und seither ununterbrochen geflogen worden, somit ältestes noch eingelöstes Segelflugzeug der Schweiz.

ln Anbetracht der Rarität dieses Oldtimers und bleibendem Wert für die Segelfluggruppe beider Basel, nahmen wir die längst fällige Grundüberholung in Angriff. Es war von Anfang an klar, dass nur eine umfassende Revision in Frage kam, entweder man macht etwas und wenn, dann aber richtig. Ein Schnellschuss kam nicht in Frage, Ziel war auch eine originalgetreue Restaurierung nach vorhandenen Plänen von 1933.

Im Frühjahr 1997 begannen Oski Schumacher und ich - Bruno Meier - mit dem Rumpf als erste Etappe. Wir entschieden uns möglichst alles im Original zu belassen. Den Rumpf komplett abzulacken: gesagt getan, jedoch hatten wir nicht mit soviel aufgetragenen Farbschichten gerechnet. Das Ablacken war schwieriger und brauchte viel Müh und Zeit, am Schluss hats aber doch geklappt. Endlich war der Rumpf frisch grundiert und wir entschlossen uns, die ganze Maschine von einem Profi spritzen zu lassen. Der Rumpf bekam neue Puffer, Steuerseile, revidierte Pedale und Instrumentenbrett, sämtliche Beschläge neu revidiert und am Schluss eine neue Beschriftung angebracht. Bis alles fertig war, reichte es leider nicht mehr zum Fliegen in dieser Saison. Ende der ersten Etappe.

Das Baby als reiner Holzflieger brauchte für die kniffligen Holzarbeiten der zweiten Etappe: Flügel, Querruder, Höhenruder, Seitensteuer, usw. einen Spezialisten dieses Faches, da die früheren Erfahrungen in der Gruppe verloren gingen (Kunststoffbauweise ist jetzt in). Glücklicherweise haben wir mit Peter Wehrli den richtigen Mann, der auch gewillt war, die allfälligen Reparaturen auszuführen und erst noch mit BZL-Ausweis, also keine Kontrolle durch das Luftamt!

Die Überraschung kam dann aber beim Austuchen. Wohl war der allgemeine Zustand des Holzes und der Leimung zum Glück noch sehr gut. Jedoch bei den Flügeln waren viele Rippen gebrochen, der Holm im linken Flügel hatte einen Wasserschaden und musste aussen ca. 80cm neu aufgebaut werden, die Endlisten wurden neu gerichtet, neue Steuerseile eingezogen, Bremsklappen revidiert und 4 neue Einzugsfedern eingebaut. Das Seitensteuer bekam einen neuen Randbogen, beim Höhenruder wurde der Holm neu aufgebaut, imprägniert, lackiert. Sämtliche Beschläge wurden ausgebaut, revidiert und neu lackiert. Beide Flügel, Querruder, Höhenruder sowie Seitensteuer wurden im Teamwork neu eingetucht, von Peter Wehrli lackiert und vom Fachmann alles neu gespritzt.

Die Arbeitsstunden belaufen sich auf ca. 700 Stunden total, davon 500 Stunden Gruppen-Leistung (ohne Bezahlung) und 200 zu bezahlende Stunden an Peter Wehrli (für alle Holzarbeiten, Lackierungen und Federführung beim Eintuchen). Die zu bezahlenden Stunden waren im voraus nicht abzuschätzen und fallen auf den ersten Blick hoch aus.

Doch die Arbeit lässt sich sehen, das Baby steht wieder in neuwertiger voller Pracht zum nächsten Flug bereit. Es ist ein Glücksfall, dass wir in der Gruppe einen solchen Oldtimer besitzen, alle anderen sind in Privatbesitz.

Die Rückfinanzierung der Revisionsarbeiten dürfte sich aus Besuchen an Meetings und Treffs wieder einspielen.

Es bleibt zu hoffen, dass das Baby noch viel und lange fliegt in unserer Gruppe!

Bruno, Oski und die vielen Mithelfer

P. S. Ohne Oski wärs nicht gegangen.

Bruno Meier