Wandersegelflug '01
 

Wandersegelflug der kleinen, aber feinen Art (Teil1)

Nachdem im letzten Jahr der Mistral unserem Wandersegelflug einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, wollen Sämi und ich dieses Jahr einen neuen Versuch wagen.
 

Doch schon am ersten Tag wird unser Eifer durch solche Bilder gebremst. Ein Gasballon ist wirklich nicht gerade das, was man an einem hoffentlich thermikreichen Tag erwartet...
Aber wir kommen trotzdem bis Coutelary, wouns die schon angekündigte Störung ein erstes Mal veranlasst, unseren Benzinschlauch einzusetzen. Eine grosse Abdeckung, die sich langsam über den Jura schiebt, zerstört alle natürlichen Möglichkeiten Höhe zu tanken.
Wir fliegen dann also im thermisch noch aktiven Mittelland über Gruyere bis Lausanne (ohne M hinter der DG500 natürlich), währenddem die Störung über den Jura abzieht.
In Lausanne ist unser Segelflug heute zum zweiten Mal beendet, weil der Wiedereinstieg in den Jura leider nicht möglich ist, die Cumuli sind zu weit weg. Nach erneuter Mithilfe unserer fossilen Brennstoffe an Bord, sind wir wieder in segelfliegerischem Gefilde.
Doch die dunklen Wolken, die sich erneut aus dem Südwesten melden, zeigen uns, dass heute wahrscheinlich nicht mehr die allzugrosse Distanz zurückzulegen sein wird.

  Wir entschliessen uns also eine geeignete Bleibe für wahrscheinlich einen weiteren Tag zu suchen, da wie gesagt eine gröbere Front angekündigt ist. Da finden wir auch schon den passenden Flughafen: Dole
  Dole: Relativ kleiner Tower, aber Riesen-Runway; mit Linienflügen, dementsprechend grossen Wartesälen und Metalldetektoren, etc.
  In der schönen Altstadt von Dole können wir uns dann am nächsten Tag so richtig umsehen, da erstens wegen des vielen Regens in der Nacht und der grossen Feuchtigkeit die Wolkenbasis den ganzen Tag tief ist und vor allem zweitens wegen des starken Windes (es waren rund 70km/h).
Ein Besuch im Geburtshaus von Louis Pasteur und im örtlichen Kunstmuseum und gutes Essen ist eine gute Einstimmung auf eine oder zwei französische Wochen...
  Hoffentlich lässt der Wind in den nächsten Tagen etwas nach!
  Nur um es vorwegzunehmen; er lässt nicht nach. Am nächsten Tag verspüren wir den Drang weiterzufliegen, da wir ja auf einem Wandersegelflug und nicht auf einem Wegenschlechtenwettersambodensitzenundaufbesserebedingungenwarten sind!
Naja, nächstes Ziel: Macon. Das sind zwar nur rund 100km, aber bei diesem Wetter muss man sich wohl oder übel mit kleinen Sprüngen zufriedengeben.
Heute sind wir reine Motorflieger. Aber wir haben nicht erwartet, dass man mit 30l im DG500M Tank manchmal doch nicht so weit kommt. Nach dem Start zeigt uns das GPS einen doch relativ niedrigen Groundspeed von rund 30km/h an. Auch der Regen, der umflogen werden will, macht uns das Erreichen unseres Zieles nicht gerade leichter.
  Nach ein paar Berechnungen kommen wir zum Schluss, dass Macon wirklich ausser Reichweite unseres Albatros liegt (wer hätte das gedacht). (30l Benzin für 60km!) Na dann...
  ...nehmen wir doch einfach Chalon (wieder ein sehr grosser Platz, mit Tower und viel Verkehr, aber völlig unkompliziert).
Kurz nach dem Aussteigen, wir sind noch dran unsere Sachen auszuladen, kommen schon die Leute vom Flugplatz: "Ah bonjour, vous êtes ici pour voir le grand Féstival?"...
Das lässt uns doch eher aufhorchen. Festival? Grosses Festival? Hotelzimmer?
Aber wir haben Glück und bekommen etwa das letzte noch freie Zimmer in der Stadt.
  Nach einem interessanten Abend in Chalon mit Strassentheatern, Musik etc. geht es bei endlich einigermassen fliegbarem Wetter und rund 40km/h weniger starkem Wind weiter in Richtung Zentralmassiv...
  ...bis dann nach einem schönen Streckenflug uns grosse Ausbreitungen der Cumuli Mühe bereiten.
  Da ist also Ambert unsere nächste Station.
 

Ambert ist ein kleiner, wohl normalerweise eher verlassener Motorflugplatz, aber als wir zur Landung ansetzen und von der Piste rollen, kommen plötzlich viele staunende Gesichter auf uns zu. Es war eine Klasse auf einem Schulausflug. Die meisten haben wohl noch nie ein Segelflugzeug gesehen.
Es hat aber auch Leute, die sich geradewegs auf den Motor stürzen. Es sind UL-Piloten, die sich sofort in eifrigste Diskussionen verwickeln, woher dieser Motor kommt, was für einen Hubraum das Ding hat, wieviel Benzin er verbraucht, wieviel PS er hat, etc.

 

Wir hoffen am nächsten Tag wieder auf super Bedingungen, denn normalerweise ist ja der 2. Tag nach der Front der beste. Wenn es noch en klein wenig abtrocknet, dann werden vielleicht die Abdeckungen von gestern nicht so stark auftreten.
Also warten wir am Morgen auf die Auslösetemperatur.
Um zwölf Uhr ist noch kein einziger Cumulus zu sehen. Auch um 13 und um 14 Uhr nicht.
Dann wird es uns zu bunt, und wir starten in der Hoffnung, dass es weiter südwestlich im Zentralmassiv die grossen erwarteten Wolkenstrassen hat.

  Nach dem relativ knappen Start wegen der kurze Piste und der Hindernisse im Ausflug sehen wir dieses Bild: Inversion im Rhonetal. Das ist ja nicht unbedingt unerwartet, ...
  ... aber dass auch im Relief des Zentralmassivs, in Richtung St.Affrique (da wo wir eigentlich heute hin wollen, oder besser wollten) sich während der thermisch besten Zeit des Tages nur ein einziger kleiner Minicumulus zeigt, lässt unsere Erwartungen für den heutigen Tag doch schnell auf Null sinken. Unsere Motivation ist dem Gefrierpunkt nicht gerade weit entfernt. Denn eigentlich wollen wir Segelfliegen und nicht Sägezahnmotorstunden abrattern.
  Wir biegen ab nach Le Puy.
Le Puy ist ein frisch renovierter riesengrosser Platz mit ILS, Segelflugpiste, UL-Piste, Modellflugpiste, Landeplatz für Fallschirmspringer und sogar mit zusätzlich noch Raum für Windenstarts mit Hängegleitern. Die Infrastruktur ist relativ ausgeprägt. Ein Restaurant und ein Hotel sind gerade beim Flugplatz. Auch ein grosses Büro der Météo France ist vorhanden.
Sämi und ich sind uns einig, dieser Platz ist sehr geeignet um ein Fluglager der SGB durchzuführen!
 

Kurz nach der Landung, der stahlblaue, superstabile Himmel.
(Hier übrigens einen Gruss an Björn, einer unserer potentiellen Rückholer: "Wo ist der Elch?")


Hier gehts zum 2.Teil
 

Übersichtskarte:

1. Tag: Schupfart - Dole
2. Tag: Pause wegen Wind
3. Tag: Dole - Chalon
4. Tag: Chalon - Ambert
5. Tag: Ambert - Le Puy
6. Tag: Le Puy - St.Crépin
7. Tag: St.Crépin - Sion
8. Tag: Sion - Lausanne
und Lausanne - Schupfart