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Wandersegelflug der kleinen, aber feinen
Art (Teil2)
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Was mich
am meisten beeindruckt ist das grosse Miteinander zwischen den
einzelnen Flugsparten. Es funktioniert alles problemlos nebeneinander,
es landen Jets, Segelflieger, es fliegen Modellflugzeuge, es
starten UL's alles parallel, auch wenn der Tower den ganzen Tag
nicht besetzt ist. Jeder nimmt auf jeden Rücksicht, egal
ob Modell-, UL-, Motor, Gleitschirm-, oder Segelflieger!
Die Stimmung zwischen den Leuten ist sehr gut. Das Hotel (mit
doch immerhin ungefähr 50 Zimmern) ist für diese Nacht
voll besetzt, da eine Hochzeit auf dem Platz gefeiert wird. Aber
das war für uns überhaupt kein Problem, die Segelflugkollegen
geben uns den Tip, in einem Massenlager beim Fallschirmhangar
zu schlafen. Das geht (bei uns wohl fast undenkbar) völlig
ohne jegliche Bürokratie.
In Le Puy ist das "Die grosse fliegende Familie". Da
haben wir Schweizer wirklich noch viel zu lernen und könnten
uns da echt eine Scheibe abschneiden! |
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Am nächsten Tag dasselbe in Blau (bezogen
auf den Himmel natürlich). Da wir keine Labilisierung erwarten, motoren
wir schon am Morge in Richtung Alpen, in der Hoffnung, dass wenigstens
da die Luftschichtung ein wenig durchgewirbelt wird.
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Irgendwie
prägt dieses Bild häufig unseren Wandersegelflug. Ohne
den erstaunlich zuverlässig laufenden Motor, würden
wir wahrscheinlich immer noch in der Region Courtelary festsitzen! |
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Die relativ
grosse Stadt Le Puy... |
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... und
das immernoch sehr "verinversionierte" Rhonetal. |
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Auch unseren
einsamen Cumulus haben sie wieder rausgehängt (es sollte
der einzige bleiben im Massiv Central). |
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Vorbei am "Dent du chat" beim "Col
de la Croix Haute". In den Alpen ist weit und breit kein einziger
Cumulus zu sehen, nur im ganz hohen Relief, weit weg hat es ein
paar verirrte, sich schnell wieder auflösende Wolkenfetzen,
die eventuelle Aufwinde krönen könnten. Wir sehen am Pic de Bure einige Einsitzer,
die Zentimeter vor dem schroffen Fels wahrscheinlich versuchen
Alpenblumen zu pflücken. Das sagt uns viel über das
Wetter im Relief aus. Auf jeden Fall ist es nicht solches Hammerwetter,
wie unsere Kollegen zwei Wochen vorher in dieser Region angetroffen
haben. Nach einer Tiefflugübung am Colombis
und im Wissen, dass sich nur noch relativ wenig Sprit in unserem
Tank befindet, beschliessen wir trotzdem es noch bis nach St.Crépin
zu versuchen. Morgon Gipfelhöhe reicht normalerweise und
auch der Logger rechnet ähnliche Werte aus. Am Schluss reicht
es gut, so dass wir wieder versuchen am Pracheval anzuhängen
und vielleicht noch ein wenig weiterzukommen. Aber die dichte
Plastikwolke an der Inversion auf 1600m bestätigt, was wir
schon seit Aspres erwartet haben.
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Am nächsten
Morgen stellen wir relativ schnell den Flieger an den Start,
denn das Briefing hat (neben dem sich zwei Piloten schreiend
fast zerfleischt haben) gutes Wetter vorausgesagt, aber mit Gewittertendenz.
So warten wir nur noch auf den Moment, bis die Brise richtig
losgeht. |
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Und dann
gehts wirklich los. Dank dem Motor können wir über
die wieder vorhandene Inversion und dann bei Tête de Pejron
zum ersten Mal auf rund 3600m steigen. Von da an geht es mehr
oder weniger in einem Zug über Plampinet, den Lac du Mont
Cenis, mit drei, vier Kreisen in einer Leeablösung, wieder
über die Krete und weiter auf 4000m vorbei an Aosta, über
den Grossen St.Bernhard ins Wallis... |
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...wo sich uns dieses Bild bietet. Nach ein
Paar Versuchen im Hangwind über den Sanetschpass zu kommen
und einem vergeblichen Versuch mit dem Motor die fehlenden 100m
noch zu machen (er läuft nicht mehr so rund wie gewohnt
und hat einen starken Drehzahlabfall), entschliessen wir uns,
angesichts des heranziehenden Gewitters, in Sion zu landen, in
der Hoffnung vielleicht noch trocken ins C-Büro zu gelangen. Nach der Landung mit rund 25kts (!!) haben
wir gerade noch genügend Zeit den Flieger auszuräumen
und anzubinden, bevor es zu regnen beginnt. Dies war ein superschöner Alpenstreckenflug! Nach dem Gewitter und einem Schwätzchen
mit einem Kollegen der SG Sion, vernehmen wir im C-Büro,
dass wir als Segelflieger keine Landetaxe zu bezahlen hätten
und auch sonst alles i.O. wäre (wunderbar, ich hätte
nicht erwartet, dass das auch in der Schweiz so unbürokratisch
über die Bühne gehen könnte... - der Leser/die
Leserin möge bitte weiterlesen und sich vom Gegenteil überzeugen
lassen - ...).
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Tags darauf, als wir zum Flugplatz gehen,
fällt uns eine Firma auf [Grüsel]. Richtig! Das sind
wirklich Grüsel-Wolken, die sich da im Hintergrund ganz
tief unten im Tal den Hängen anschmiegen (gut zu sehen über
dem weissen Auto). Wir gehen nochmals beim C-Büro vorbei:
"Aha, ihr seid die Segelflugpiloten, wunderbar, schönen
Flug!" "Danke, schönen Tag noch, auf Wiedersehen",
und machen uns hinter die Flugvorbereitungen. Wir sind ein wenig
skeptisch, was den Motor anbelangt, nach dem gestrigen Zwischenfall.
Und dann, siehe da, der Motor kommt nur auf rund 4200rpm ansstatt
auf 6300. Naja, da hilft nur ein Telefon an Spywa. Nach einigen
kleinen Manipulationen läuft der Motor wunderbar.
Die Wolkenbasis ist aber immer noch nicht wirklich angestiegen
und unser Vorhaben über den Sanetsch zu fliegen, müssen
wir aufgeben.
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Wir schieben
das Flugzeug auf den Tarmac und bekommen auch schon die Rollerlaubnis
vom Tower. Doch als wir schon neben der Piste stehen, "ready
for departure", meint der Tower, wir sollten uns doch zuerst
im C- Büro melden, wir hätten keine Affiche de Vol
(Fluganmeldung) ausgefüllt.Wir versuchen ihm zu erklären,
dass wir ein Segelflugzeug und kein Motorflugzeug seien, aber
er lässt nicht mit sich handeln. Na gut; ziemlich verdutzt
schieben wir den Flieger halt wieder von Hand von der Intersection
Charlie weg und gehen zum rund 1km entfernten C-Büro. Da
sitzt die selbe Dame wie gestern Abend. Wunderbar. Wir fragen
sie, was noch für ein Problem sei, wieso wir nicht starten
dürfen, denn wir haben ja gestern Abend gefragt, ob alles
in Ordnung sei. Sie gibt nur zur Antwort gestern Abend sei gestern
Abend und heute Morgen sei heute Morgen. Heute müssten wir
diese Affiche ausfüllen. (Strange things) (!?). Wir würden
jetzt eindeutig als Motorflugzeug gelten. - Naja; einmal HB-2256
hinschreiben, rund eine halbe Stunde und 1km weiter sitzen wir
wieder startbereit in unserem eigenstartfähigen Segelflugzeug
und dürfen sogar starten. |
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Man merkt normalerweise schnell, wenn man
wieder in der Schweiz ist, wie wir doch relativ trocken denken.
Da kriegt man doch schon wieder Fernweh nach Frankreich, wo das
bei starkem Verkehrsaufkommen auf grossen Flugplätzen nie
ein Problem war! Tja, jedenfalls sind wir mit einer Stunde
Verspätung doch noch in die Luft gekommen. Im Wallis können
wir nicht fliegen, die Wolkenbasis hängt immer noch zu tief
und es bilden sich schon die ersten Cunulus Congestus, welche
sich nur zu schnell in Gewitter umbilden können. Wir motoren
also in Richtung Lausanne, wo wir gleich sehen, dass der Jura
doch relativ gut gehen müsste. Aber das Benzin ist fast
alle und über Biel steht ein grosser Cb. Deshalb beschliessen
wir, zuerst eine Zwischenlandung in Yverdon zu machen und den
Tank zu füllen.
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Wir können
diesmal ohne Probleme ohne Affiche de Vol wieder starten (Gruss
an Sion, so einfach wärs gewesen) und sehen, dass sich das
Gewitter vergrössert und in unsere Richtung verschoben hat.
Im Mittelland schiebt sich ein dicker Wolkenschirm vor die Sonne,
also versuchen wir das Gewitter westlich zu umfliegen, was auch
recht gut gelingt. Nur hinter dem Gewitter war thermisch leider
tote Hose und wir kamen mit ein paar lausigen Aufwinden bis ins
Delémont-Becken... |
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...wo wir
unseren lieben, lauten Freund "BRRRÄÄÄÄÄ..."
(hinter mir gut zu erkennen) wieder einmal auspacken mussten. |
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Und nach
"Über den Wolken"... |
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...landen
wir wieder in Schupfart. |
Für mich war dieser Wandersegelflug ein
super Erlebnis, obwohl wir streckenmässig nicht so weit
gekommen sind wie eigentlich geplant. Jeden Tag haben Saemi und
ich neue Fliegerkollegen kennengelernt, jeder Tag brachte irgend
etwas Neues, etwas Interressantes.
Dank dem Motor kamen wir (fast) jeden Tag an einen neuen Ort
und dank dem Transponder waren auch die zahlreichen Lufträume
für uns kein Problem. Wir sind immer auf relativ grossen
Flugplätzen mit Betonpiste gelandet. Das war in Frankreich
kein Problem und hat sich beim Starten sehr bezahlt gemacht.
Hier noch der obligate Dank an alle, die sich als Rückholer
zur Verfügung gestellt haben!
Das war sicherlich nicht mein letzter Wandersegelflug!
Andi Lerch
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Hier
gehts zum 1.Teil |
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Übersichtskarte:
1. Tag: Schupfart - Dole
2. Tag: Pause wegen Wind
3. Tag: Dole - Chalon
4. Tag: Chalon - Ambert
5. Tag: Ambert - Le Puy
6. Tag: Le Puy - St.Crépin
7. Tag: St.Crépin - Sion
8. Tag: Sion - Lausanne
und Lausanne - Schupfart
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