Wandersegelflug '01
 

Wandersegelflug der kleinen, aber feinen Art (Teil2)

  Was mich am meisten beeindruckt ist das grosse Miteinander zwischen den einzelnen Flugsparten. Es funktioniert alles problemlos nebeneinander, es landen Jets, Segelflieger, es fliegen Modellflugzeuge, es starten UL's alles parallel, auch wenn der Tower den ganzen Tag nicht besetzt ist. Jeder nimmt auf jeden Rücksicht, egal ob Modell-, UL-, Motor, Gleitschirm-, oder Segelflieger!
Die Stimmung zwischen den Leuten ist sehr gut. Das Hotel (mit doch immerhin ungefähr 50 Zimmern) ist für diese Nacht voll besetzt, da eine Hochzeit auf dem Platz gefeiert wird. Aber das war für uns überhaupt kein Problem, die Segelflugkollegen geben uns den Tip, in einem Massenlager beim Fallschirmhangar zu schlafen. Das geht (bei uns wohl fast undenkbar) völlig ohne jegliche Bürokratie.
In Le Puy ist das "Die grosse fliegende Familie". Da haben wir Schweizer wirklich noch viel zu lernen und könnten uns da echt eine Scheibe abschneiden!
  Am nächsten Tag dasselbe in Blau (bezogen auf den Himmel natürlich).
Da wir keine Labilisierung erwarten, motoren wir schon am Morge in Richtung Alpen, in der Hoffnung, dass wenigstens da die Luftschichtung ein wenig durchgewirbelt wird.
  Irgendwie prägt dieses Bild häufig unseren Wandersegelflug. Ohne den erstaunlich zuverlässig laufenden Motor, würden wir wahrscheinlich immer noch in der Region Courtelary festsitzen!
  Die relativ grosse Stadt Le Puy...
  ... und das immernoch sehr "verinversionierte" Rhonetal.
  Auch unseren einsamen Cumulus haben sie wieder rausgehängt (es sollte der einzige bleiben im Massiv Central).
  Vorbei am "Dent du chat" beim "Col de la Croix Haute".
In den Alpen ist weit und breit kein einziger Cumulus zu sehen, nur im ganz hohen Relief, weit weg hat es ein paar verirrte, sich schnell wieder auflösende Wolkenfetzen, die eventuelle Aufwinde krönen könnten.
Wir sehen am Pic de Bure einige Einsitzer, die Zentimeter vor dem schroffen Fels wahrscheinlich versuchen Alpenblumen zu pflücken. Das sagt uns viel über das Wetter im Relief aus. Auf jeden Fall ist es nicht solches Hammerwetter, wie unsere Kollegen zwei Wochen vorher in dieser Region angetroffen haben.
Nach einer Tiefflugübung am Colombis und im Wissen, dass sich nur noch relativ wenig Sprit in unserem Tank befindet, beschliessen wir trotzdem es noch bis nach St.Crépin zu versuchen. Morgon Gipfelhöhe reicht normalerweise und auch der Logger rechnet ähnliche Werte aus. Am Schluss reicht es gut, so dass wir wieder versuchen am Pracheval anzuhängen und vielleicht noch ein wenig weiterzukommen. Aber die dichte Plastikwolke an der Inversion auf 1600m bestätigt, was wir schon seit Aspres erwartet haben.
  Am nächsten Morgen stellen wir relativ schnell den Flieger an den Start, denn das Briefing hat (neben dem sich zwei Piloten schreiend fast zerfleischt haben) gutes Wetter vorausgesagt, aber mit Gewittertendenz. So warten wir nur noch auf den Moment, bis die Brise richtig losgeht.
  Und dann gehts wirklich los. Dank dem Motor können wir über die wieder vorhandene Inversion und dann bei Tête de Pejron zum ersten Mal auf rund 3600m steigen. Von da an geht es mehr oder weniger in einem Zug über Plampinet, den Lac du Mont Cenis, mit drei, vier Kreisen in einer Leeablösung, wieder über die Krete und weiter auf 4000m vorbei an Aosta, über den Grossen St.Bernhard ins Wallis...
  ...wo sich uns dieses Bild bietet. Nach ein Paar Versuchen im Hangwind über den Sanetschpass zu kommen und einem vergeblichen Versuch mit dem Motor die fehlenden 100m noch zu machen (er läuft nicht mehr so rund wie gewohnt und hat einen starken Drehzahlabfall), entschliessen wir uns, angesichts des heranziehenden Gewitters, in Sion zu landen, in der Hoffnung vielleicht noch trocken ins C-Büro zu gelangen.
Nach der Landung mit rund 25kts (!!) haben wir gerade noch genügend Zeit den Flieger auszuräumen und anzubinden, bevor es zu regnen beginnt.
Dies war ein superschöner Alpenstreckenflug!
Nach dem Gewitter und einem Schwätzchen mit einem Kollegen der SG Sion, vernehmen wir im C-Büro, dass wir als Segelflieger keine Landetaxe zu bezahlen hätten und auch sonst alles i.O. wäre (wunderbar, ich hätte nicht erwartet, dass das auch in der Schweiz so unbürokratisch über die Bühne gehen könnte... - der Leser/die Leserin möge bitte weiterlesen und sich vom Gegenteil überzeugen lassen - ...).
  Tags darauf, als wir zum Flugplatz gehen, fällt uns eine Firma auf [Grüsel]. Richtig! Das sind wirklich Grüsel-Wolken, die sich da im Hintergrund ganz tief unten im Tal den Hängen anschmiegen (gut zu sehen über dem weissen Auto).
Wir gehen nochmals beim C-Büro vorbei: "Aha, ihr seid die Segelflugpiloten, wunderbar, schönen Flug!" "Danke, schönen Tag noch, auf Wiedersehen", und machen uns hinter die Flugvorbereitungen. Wir sind ein wenig skeptisch, was den Motor anbelangt, nach dem gestrigen Zwischenfall.
Und dann, siehe da, der Motor kommt nur auf rund 4200rpm ansstatt auf 6300. Naja, da hilft nur ein Telefon an Spywa. Nach einigen kleinen Manipulationen läuft der Motor wunderbar.
Die Wolkenbasis ist aber immer noch nicht wirklich angestiegen und unser Vorhaben über den Sanetsch zu fliegen, müssen wir aufgeben.
  Wir schieben das Flugzeug auf den Tarmac und bekommen auch schon die Rollerlaubnis vom Tower. Doch als wir schon neben der Piste stehen, "ready for departure", meint der Tower, wir sollten uns doch zuerst im C- Büro melden, wir hätten keine Affiche de Vol (Fluganmeldung) ausgefüllt.Wir versuchen ihm zu erklären, dass wir ein Segelflugzeug und kein Motorflugzeug seien, aber er lässt nicht mit sich handeln. Na gut; ziemlich verdutzt schieben wir den Flieger halt wieder von Hand von der Intersection Charlie weg und gehen zum rund 1km entfernten C-Büro. Da sitzt die selbe Dame wie gestern Abend. Wunderbar. Wir fragen sie, was noch für ein Problem sei, wieso wir nicht starten dürfen, denn wir haben ja gestern Abend gefragt, ob alles in Ordnung sei. Sie gibt nur zur Antwort gestern Abend sei gestern Abend und heute Morgen sei heute Morgen. Heute müssten wir diese Affiche ausfüllen. (Strange things) (!?). Wir würden jetzt eindeutig als Motorflugzeug gelten. - Naja; einmal HB-2256 hinschreiben, rund eine halbe Stunde und 1km weiter sitzen wir wieder startbereit in unserem eigenstartfähigen Segelflugzeug und dürfen sogar starten.
  Man merkt normalerweise schnell, wenn man wieder in der Schweiz ist, wie wir doch relativ trocken denken. Da kriegt man doch schon wieder Fernweh nach Frankreich, wo das bei starkem Verkehrsaufkommen auf grossen Flugplätzen nie ein Problem war!
Tja, jedenfalls sind wir mit einer Stunde Verspätung doch noch in die Luft gekommen. Im Wallis können wir nicht fliegen, die Wolkenbasis hängt immer noch zu tief und es bilden sich schon die ersten Cunulus Congestus, welche sich nur zu schnell in Gewitter umbilden können. Wir motoren also in Richtung Lausanne, wo wir gleich sehen, dass der Jura doch relativ gut gehen müsste. Aber das Benzin ist fast alle und über Biel steht ein grosser Cb. Deshalb beschliessen wir, zuerst eine Zwischenlandung in Yverdon zu machen und den Tank zu füllen.
  Wir können diesmal ohne Probleme ohne Affiche de Vol wieder starten (Gruss an Sion, so einfach wärs gewesen) und sehen, dass sich das Gewitter vergrössert und in unsere Richtung verschoben hat. Im Mittelland schiebt sich ein dicker Wolkenschirm vor die Sonne, also versuchen wir das Gewitter westlich zu umfliegen, was auch recht gut gelingt. Nur hinter dem Gewitter war thermisch leider tote Hose und wir kamen mit ein paar lausigen Aufwinden bis ins Delémont-Becken...
  ...wo wir unseren lieben, lauten Freund "BRRRÄÄÄÄÄ..." (hinter mir gut zu erkennen) wieder einmal auspacken mussten.
  Und nach "Über den Wolken"...
  ...landen wir wieder in Schupfart.

Für mich war dieser Wandersegelflug ein super Erlebnis, obwohl wir streckenmässig nicht so weit gekommen sind wie eigentlich geplant. Jeden Tag haben Saemi und ich neue Fliegerkollegen kennengelernt, jeder Tag brachte irgend etwas Neues, etwas Interressantes.
Dank dem Motor kamen wir (fast) jeden Tag an einen neuen Ort und dank dem Transponder waren auch die zahlreichen Lufträume für uns kein Problem. Wir sind immer auf relativ grossen Flugplätzen mit Betonpiste gelandet. Das war in Frankreich kein Problem und hat sich beim Starten sehr bezahlt gemacht.
Hier noch der obligate Dank an alle, die sich als Rückholer zur Verfügung gestellt haben!
Das war sicherlich nicht mein letzter Wandersegelflug!

Andi Lerch

Hier gehts zum 1.Teil
 

Übersichtskarte:

1. Tag: Schupfart - Dole
2. Tag: Pause wegen Wind
3. Tag: Dole - Chalon
4. Tag: Chalon - Ambert
5. Tag: Ambert - Le Puy
6. Tag: Le Puy - St.Crépin
7. Tag: St.Crépin - Sion
8. Tag: Sion - Lausanne
und Lausanne - Schupfart